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Freitag, 3. April 2020

Wie viel Angst sollte man haben?

Zur Zeit erlebe ich eine zunehmende Gereiztheit in meinem Umfeld im Bezug auf die Maßnahmen der Bundesregierung zur Eindämmung der Coronakrise.

Ja auch ich bin zunehmend genervt, weil ich in unserer Klinik rumsitze, wir alles leergeräumt haben, sich aber bisher gerade mal ein Coronapatient zu uns verirrt hat, dem es allerdings somatisch recht gut ging.

Ansonsten, völlige Stille an der Corona-Front. Es wirkt fast so als wolle der große Coronakrieg ausfallen.

Da wir selbst Monate nach dem Pandemiebeginn in Wuhan eigentlich immer noch nichts über SARS-CoV-2 wissen, frage ich mich, wie viel Angst man eigentlich haben sollte?

Anfangs habe ich nur die Zahlen in diesen Live-Tickern und den interaktiven Karten gelesen. Da kann es einem schon Angst und Bange werden. Stand heute haben wir 1122 Tote in Deutschland die dem Coronavirus zugerechnet werden und 85903 Infizierte. In Deutschland sind gestern über 100 Menschen an Corona verstorben. Was sagt uns das jetzt? Sagt das wirklich aus, dass deutlich mehr als 1% aller Coronakranken sterben? Nein sagt es nicht. Und die offiziellen Zahlen die noch Lethalitätsraten von 3,3 bis 7,7 Prozent werten sind definitiv völlig überzogen, sofern man sie auf die Gesamtbevölkerung bezieht.
Auch klingen 1122 Tote in drei Wochen sehr bedrückend, doch wenn man sich klar macht, dass in Deutschland jeden einzelnen Tag rund 2600Menschen an, Unfällen, Schlaganfällen, Herzinfarkten, Influenza oder Nierenversagen, Diabetes oder sonst was sterben, dann relativiert sich das etwas.  


Prof. John Ioannidis, ein ausgemachter Könner auf dem Gebiet der Statistik und Gesundheitswissenschaft, schrieb in einem Artikel vom 17.März, das wir bisher keine verlässlichen Daten im Bezug auf die Epidemiologie des Covid19 haben. Wir wissen nicht wir schnell es sich ausbreitet, wie viele schwere Verläufe es gibt und wie viele Fälle am Ende letal verlaufen. Das liege daran, dass in keinem Land der Welt flächendeckend getestet werden kann, weil überall die Testkapazitäten unzureichend sind. Hinzu kommt, dass der Test nicht besonders sensitiv ist, weswegen auch die Empfehlung ist mehrfach und mit zeitlichem Abstand zu testen. So wie es auch bei der Bundeskanzlerin passiert ist.

Wir können also nicht sagen, ob wir bei unseren 85903 Infizierten schon alle dabei sind oder ob wir vielleicht in Deutschland schon 40 Millionen Infizierte haben, die nur bisher nicht getestet wurden. Könnte aber auch sein dass wir wirklich bisher nur 85000Infizierte haben. Kurz und deutlich: Wir wissen es nicht. Keiner weiß es.

Was man eigentlich tun müsste, wäre eine gezielte Untersuchung zu machen. 20000 Leute, am besten in einer Stadt, keiner geht rein, keiner geht raus und man schaut über 14 Tage bei normalem Lebensalltag wie viele nach 7, nach 14 Tagen und nach 21 Tagen positive Testergebnise zeigen, wie viele krank geworden sind und wie viele verstorben sind.

Ioannidis führt aus, dass die einzige halbwegs sinnvolle Untersuchung von dem Kreuzfahrtschiff Diamnond Princess kommt, von 3700 Passagieren an Bord zuzüglich Besatzungsmitgliedern waren, gab es am Ende 700 Infizierte und davon 7 Tote registriert worden. Das wäre eine Sterblichkeit von ziemlich genau 1 Prozent. Das ist immer noch recht hoch, aber Ioannidis gibt zu bedenken, dass wir nicht wissen was das für Probanden in den Studie waren? Teilnehmer einer Kreuzfahrt sind nicht unbedingt für ihre Jugend bekannt. Sind Teilnehmer an einer Kreuzfahrt eher kern gesund, oder eher gesunde Leute mit hier und da einer chronischen Vorerkrankung. Außerdem sind 3700 Teilnehmer ein sehr, sehr kleiner Datensatz.  


Außerdem wissen wir nicht ob es auf dem Schiff auch Infizierte ohne Krankheitssymptome gab. So wie wir deren Anzahl auch in unserer Bevölkerung nicht abschätzen können.  

Am Ende schätzte Professor Ioanndis die Sterblichkeit des SARS-Covid-2 auf 0,05 bis 1,0%, also doch eher gering. Diese Zahl habe ich gleich erstmal meiner Mutter geschickt, die auch nicht mehr aus dem Haus geht.

Zu einer weiteren interessanten und beruhigenden Überlegung kam ich bei der Lektüre von Wodarg.com, der Internetseite des Dr. Wolfgang Wodarg. Es wird auf alle Medien berichtet, dass Covid-19 vor allem ältere Menschen betrifft, dass aber bei 80-85% eher milde Erkrankungssymptome auftreten. Das ist für mich das Hauptargument, dass wir es hier nur mit einem unbekannten, aber für die Menschheit keineswegs neuen Virus zu tun haben.

Was passiert, wenn ein völlig neues Virus auf eine absolut immunologisch naive Bevölkerung trifft, haben wir gesehen, wenn zum Beispiel bisher unkontaktierte Völker eben doch von Wissenschaftlern und Reportern kontaktiert wurden. Dazu gibt die Seite survivalinternational.de Auskunft. In den frühen 80er Jahren starb rund die Hälfte aller Nahua, einem indigenen Volk in Peru an den Folgen Infekten die durch ein Team von Ölbohrungsexperten eingeschleppt wurden. Das ist kein Einzelfall, denn das gleiche Schicksal traf rund die Hälfte aller Murunahua in den 1990er Jahren, nach einem Kontakt mit illegalen Mahagoniholzfällern. Auch die Zo’e in Brasilien starben reihenweise nach man versucht hatte sie zum Christentum zu missionieren.

So sieht es aus wenn ein „Killervirus“ auf einen immunschutzlose Gesellschaft trifft. Unsere Immunsysteme kennen Coronaviren schon sehr lange. Nun, soll mein Text nicht zur Leichtfertigkeit anregen. Nur Angst sollte man eben nicht davor haben.


Ich sehe dass in etwa so wie die Wette von Blaise Pascal. Wenn wir glauben, es ist ein Killervirus und alle Hygienemaßnahmen (Abstand, Masken, dauernde Desinfektion) anwenden, kann sich hinterher zeigen, dass es entweder ein Killervirus war und wir uns dadurch geschützt haben, oder dass es kein Killervirus war und wir uns für ein paar Monate eher unnützen Hygienemaßnahmen unterworfen haben. Sollten wir es aber auf die leichte Schulter nehmen und nichts tun, dann können wir im besten Fall feststellen, dass wir Recht hatten und es eben kein Killervirus war. Im schlechtesten Fall aber ist es ein Killervirus und wir werden alle dahingerafft. Und darum sage ich: Achtet auf Hygiene, desinfiziert Euch, wascht die Hände, haltet Abstand zueinander, so wie man es in jeder Grippe-Saison auch tun sollte, aber hört auf mit dieser wahrscheinlich völlig überzogenen Panik!


Und solange wir die Auswirkungen eines längeren Lockdowns nicht kennen, sollten wir sehen ob wir es nicht mit den konventionellen Hygieneregeln hinbekommen.

Mittwoch, 18. März 2020

SL und viele Avatare

Vor, puh einigen Monaten war ich mal wieder in SL. Es ist sonderbar, dass ich seit locker drei Jahren einen echten Widerwillen verspüre überhaupt online zu gehen. Das liegt sicher daran, dass mein Computer einfach mal alt geworden ist und ich mich in SL kaum bewegen kann.


Jedenfalls muss ich jedes mal, wenn ich mich mal einlogge, erst mal einen neuen Viewer installieren weil der alte nicht mehr akzeptiert wird und dann natürlich alles erst mal von vorne lernen. Wie setze ich mich wo hin, wie teleportiere ich zu einer anderen Sim und so weiter.


Trotzdem habe ich die Pyrana wieder gefunden. Das freut mich immer wieder aufs Neue, dass es diese Gruppe noch gibt, die ich immer noch als "meine" Gruppe empfinde. Haltet die Ohren steif Mädels.


Allerdings kam mir, bei meinem letzten längeren Gespräch mit einer guten Freundin, ein Sachverhalt zu Bewusstsein, den ich selber gar nicht wirklich bemerkt hatte.


Alts! Ich habe mich selber früher tierisch über Alts aufgeregt. Aber ich muss gestehen, dass ich selber inzwischen einen ansehnliche Zahl an alternativen Avataren erschaffen habe. Erstaunlich war, dass meine Freundin, sich an mehr dieser Avatare erinnern konnte als ich. Ich selbst kann mich nur noch an Esem Destiny, Cori Panthar, TwoADay und Blue Komarov, Ecem erinnern. Dabei kann ich Cori sicher als meinen definitiven Hauptavater benennen, die anderen waren wohl eher untaugliche Versuche mal aus der streitbaren Rolle von Cori auszubrechen. Da man aber offenbar weder im echten Leben noch in der virtuellen Version so richtig gut aus seiner Haut. Ich glaube die meisten Avatare habe ich vor Jahren gelöscht oder schlicht vergessen, dass sie zu mir gehören.


Der entscheidende Fehler den ich dabei gemacht habe war wohl der, dass ich geglaubt habe, dass meine SL-Freunde sich weniger hintergangen gefühlt haben, als ich, wenn ich in Verkleidung eines Alts bei ihnen war.


Nun bin ich so lange raus aus Gor und doch muss ich immer wieder an die aufregende Zeit denken, als ich fast nichts anderes mehr kannte. Wenn mir der Kampf gegen die Gruppe Haudraufundplatt wichtiger war als Abendbrot zu essen, oder einen Vortrag vorzubereiten.
Es ist mir heute unbegreiflich wie ich manchmal 10 Stunden am Tag in SL sein konnte. Lager bauen, RSP machen, Kämpfen und so weiter.
Mit meinem Sohn wurde die Zeit für SL knapp und ich bin dankbar dafür.


Immerhin war ich eine Zeitlang mal so verrückt, dass ich, als ich auf einem Kongress war mal eben in einem Computerladen in Mannheim kurzerhand einen Laptop kaufte, nur am Abend da zu sein. Den Laptop habe ich heute noch, nur ist er eben inzwischen in die Jahre gekommen. Heute macht es mir nichts aus, am Abend einfach mit meinem Sohn einzuschlafen. Aber jetzt stecke ich in diesem ganzen Rollenspiel halt auch nicht mehr drin.


Aber die Zeit fehlt mir trotzdem irgendwie. Ich denke sehr gerne zurück an die Sims von damals. Südland, Ivalo, Anango und wie sie alle hießen. Wäre schön sowas mal wieder zu finden und sich nochmal so sehr in so einer Welt verlieren zu können.


Mal sehen, momentan gebe ich sehr viel Geld für Haus und Kind aus. Aber vielleicht bleibt ja irgendwann mal wieder etwas Geld für einen neuen Rechner übrig und dann werde ich sicher mal wieder ein oder zwei Ausflüge nach Gor machen.


Und nicht zu vergessen: Vielleicht gibt's zu dem neunen Cyberpunk 2077 ja einen Multiplayerversion. Das wär was, denn ich muss zugeben, dass mich Dark-Future schon immer sehr gereizt hat!


In diesem Sinne


Eure
Cori

Dienstag, 14. August 2018

Mich ärgert...

..die Häme und Sensationsgier, die gerade über Jan Ullrich ausgekippt wird. Mit sensationslüsternem Blick verfolgen die Medien den Absturz ihres einstigen Lieblings und übersehen dabei dass es genau diese Verhalten, diese Doppelmoral ist, die es ihm immer schwerer machen wird den Weg in ein geordnetes Leben zurück zufinden.

Ein Kollege sagte neulich zu mir, es ist wie mit den Gladiatoren früher in Rom. Die wurden auch, nach jedem Kampf mit allen Mitteln wieder so fit gemacht, dass sie weiter kämpfen konnten. Ein unedlicher sich immer wiederholender Kreislauf aus dem es eigentlich nur zwei Möglichkeiten gab zu entrinnen. Entweder den Tod oder man schaffte es so populär zu werden dass man durch Übergabe eines hölzernen Schwertes, als verdienter Kämpfer in die Freiheit entlassen wurde.

Das Problem ist, dass Jan Ullrich nie dazu vorgesehen war, ein hölzernes Schwert zu bekommen. Als er die Tour gewonnen hatte, da liebte man ihn und setzte sofort die Erwarung in ihn dass er auf 10 Jahre der unangefochtene Dominator sein würde. Das war sein Ziel das er hätte erreichen müssen. Aber da hat er nie. Es ist ihm nie gelungen ein zweites Mal die Tour zu gewinnen. Also war er nicht dazu gedacht zu einer Legende zu werden. Er war dazu gedacht die Geldmaschine Radsport zu befeuern. Dominierende Helden wurden andere. Armstrong zum Beispiel. Der bekam von der UCI das hölzerne Schwert. Erst als er sich schließlich zu einem Comback anschickte da wurde es den Machern zu bunt und sie ließen ihre schützenden Hände um Armstrong sinken. Der Skandal flog auf und der Voldemort des Radsports war geboren.

Doch im Ernst: Wer glaubt ernsthaft, dass man mit einem Stundenmittel von 30 Stundenkilometern die Alpen hinauf fährt wenn man nur Müsli, Bananen und Wasser zu sich nimmt? Niemand. Das hat nie irgendjemand der irgendwas von Leistungssport versteht ernsthaft angenommen.
Die Gesellschaft will einerseits Helden und lädt dazu ein, dass man sie, nur um ein Heldenmythos zu generieren auch gerne betrügt und ihnen die Mär vom sauberen Radsport erzählt. Aber Gnade Gott einer lässt sich erwischen und man muss die Heldengeschichte zur Betrugsgeschichte umschreiben!
Das ist doppelzüngig und niederträchtig.

Und Jan Ullrich? Der Mann hat nie etwas anderes in seinem Leben gelernt als Rad zu fahren. Der hat keine Strategien wie er sich nun, wo er nicht mehr so gut und schnell Radfahren kann, positive stärkenden und stützende Lebensinhalte aufbauen kann. Wie denn auch. Er kann nur schwer sagen dass er gerne eien Volkshochulkurs besuchen will um experimentelle Malerei zu lernen.

Aber die Geldhaie die sind weiter an ihm dran. Menschlich ist er ihnen völlig egal. Doch in dieser Batterie ist noch genug Saft um wenigstens aus seinem Absturz noch Geld und Kapital zu machen. Himmel welche B,C, X und Y Promis sich jetzt alle zu Wort melden und angeblich ganz dicke Freunde von Herrn Ullrich sein wollen oder zumindest Experten für Drogenkonsum, Entzug oder sonstewas sind.

Das was Ullrich jetzt braucht, ist ein ordentliche Klinik. Er braucht Ruhe vor der Öffentlichkeit und vor allem braucht er ein oder zwei echte und treue Freunde die ihm ehrlich helfen, ohne direkt eien exklusivgeschichte an die Bild zu verkaufen.

Auch wenn ich den Toursieg von 1997 nicht live verfolgt habe und auch wenn ich etws traurig bin dass er nicht den Weg in unsere Klinik gefunden hat, so wünsche ich Jan Ullrich bei der nun anstehenden härtesten Etappe seines Lebens viel Erfolg und Durchhaltewillen. Hoffentlich gelingt es ihm sich mal für zwei drei Jahre ganz aus der Öffentlichkeit zu verabschieden und nur sein Ding zu machen. Denn jeder Mensch kann sich selbst heilen wenn man ihm nur den Raum, die Zeit und die Möglichkeiten dazu gibt.

Alles gute Jan Ullrich.

Freitag, 22. Juni 2018

Ich finde dass….


...Claudia Neumann einen super Job als Kommentatorin macht! Ich will sie öfter hören!

…man Mesut Özil unterstützen sollte. Der Junge ist der beste Techniker im deutschen Team. Scheiß auf die Fotos mit Erdogan und vergesst mal den ganzen anderen Schnuckis. Jetzt ist WM und wenn der Mesut nun mal eine sensible Diva ist dann sollte man ihn auch so behandeln. Niedermachen kann man ihn auch nach der WM noch. Jetzt muss er erstmal Fussballspielen.

…viel zu viele Spiele langweilige Grottenkicks sind die am Ende 1:0 ausgehen. Wer hat eigentlich das Dogma aufgestellt dass eine Doppelviererkette die einzige Wahrheit auf dem Platz ist? Ich will wieder schnellen Fussball sehen. Was wie 8:3 oder sowas. Ja okay, die Russen bringen sowas zur Zeit….ganz überraschend. Dekanden lang nix los mit den Wolgakosaken und plötzlich ist WM und alles spielen wie die jungen Götter. Hat natürlich nix mit dem Staatsdoping zu tun weswegen der halbe Olympiakader der Russen gesperrt wurde. Bei den Britten ist der der Erfolg ja auch mit der Olympiade in London gekommen. Früher hatten die im Radsport nix zu melden und plötzlich fahren sie alles in Grund und Boden.

…Hummels eindeutig der bestaussehende Spieler der WM ist.

…REWE die scheiß Fussballbilder mal zum Kauf anbieten sollte! Aber jetzt wo mein Sohn mich bequengelt hat ihm so ein Sammelalbum zu kaufen würde ich das Album auch gerne voll bekommen können. Leider gibt’s bei unserem REWE keine Fussballkarten mehr. Frechhheit!

…das Wir uns nicht so aufregen sollten über den verpatzten Auftakt. Unsere hatten nur eben die falsche Taktik. Die Rechnung ist eben mal nicht aufgegangen. Sowas kommt vor. Viele hochgelobte Mannschaften haben bei der WM schon Schiffbruch erlitten. Überzeugt hat bisher nur Belgien, Frankreich und ja…man muss es sagen Russland.

Dienstag, 11. Juli 2017

Für gewöhnlich…


…bin ich ja ein eher gutgläubiger Bürger. Ich zahle Steuern, gehe wählen und halte nicht viel von Verschwörungstheorien. Die Bilder vom G20-Gipfel aus Hamburg haben mich aber zu folgenden Gedanken veranlasst.


Ein chinesisches Sprichwort sagt: „Mögest Du in aufregenden Zeiten leben.“  Zumindest für unsere Generation hat sich das wohl bewahrheitet. Ich glaube man kann die aktuellen Jahre durchaus als aufregend bezeichnen.

Einerseits ist es ja gut, dass sich die mächtigsten Regierungen der Welt zusammensetzen und über die großen Probleme der Menschheit beraten. Sei es nun das Welthunger-Problem, die Flüchtlingsbewegungen, die Kriegsherde der Welt oder die Weltwirtschaft. Es gibt nun mal keine Option die Dinge mit Gewalt zu regeln, also kann man sie nur durch ständigen Dialog und permanente Verhandlungen versuchen in den Griff zu bekommen.

Auf der anderen Seite haben wir die G20-Kritiker, die nicht zu Unrecht die Frage aufwerfen, ob diese G20-Treffen nicht ein riesiges, äußerst kostspieliges Theater sind?

Wir leben in einer Zeit wo sich Meinungen und Stimmungen vielfach bis auf Ebene des Individuums detektieren und teilweise auch Manipulieren lassen. Wo es früher nur möglich war gewissen Meinungsströmungen innerhalb einer Gesellschaft zu erkennen, kann man nun oft bis auf den Einzelnen vorhersagen wie er wählen wird. Und nicht nur das, man kann seine Entscheidung auch beeinflussen. Ist Euch mal aufgefallen, dass ihr manchmal gefragt werdet ob ihr einen bestimmten Artikel in der „personalisierten Form“ lesen wollt? 

Das Geschäft heißt „Big Data“ und basiert darauf, dass einfach alles was ins Internet hoch oder unter geladen wird eine Registrierung und Auswertung unterliegt. Seit ich vor kurzem eine Kinderfahrrad für meinen Sohn gekauft habe, bekomme ich laufend Werbung für Kinderfahrradhelme. Irgendwo hat ein Algorhythmus erkannt, dass sich offenbar ein Kind habe und durch das Fahrrad schon bald Bedarf für einen Kinderfahrradhelm haben werde. 

Was in der Werbeindustrie funktioniert natürlich auch in der politischen Werbung. Irgendwo hat irgendeine Datenbank genau gespeichert welche Artikel und Medien ich im Internet angesehen habe. Wie einfach ist es da, mir gezielt Artikel zu Fahrradunfällen von Kindern zuzuspielen. Solange bis ich glaube dass 90 Prozent aller Kinder beim Radfahren von Autos totgefahren werden und ich lieber schnell einen Kinderfahrradhelm bestelle. 

Bei einem Kinderfahrradhelm mag das noch kein Problem sein. Wenn ich einen Helm kaufe und mein Kind hat nie einen Unfall ist das kein großes Problem. Aber was wenn man meine politische Meinung auf diese Weise genauso gut beeinflussen kann?   Natürlich kann man das. Ich bekomme nur noch die Artikel über den Despoten Erdogan, die Medien sind voll davon. Er MUSS ein Diktator sein, der neue Hitler, anders geht es gar nicht, oder? Kann es sein, dass ich die anderen Artikel, in denen steht was Erdogan alles für die Türkei erreicht und geschaffen hat gar nicht zu sehen kriege?
Und wenn mir diverse Artikel noch nicht ausreichen um meine Meinung zu festigen, dann tun es unzählige Kommentare in den Zuschriftenspalten, die im Internet schon lange zu einem nicht unerheblichen Prozentsatz von Bots, also autonom agierenden Computerprogrammen, erstellt werden. Für mich entsteht aber der Eindruck als habe halb Deutschland eine ziemlich sichere Meinung zum Thema Erdogan. So ein Bot kostet garnichtmal so viel. Für 200,- spamt mir ein Bott das Internet mit Kommentaren zu deren Botschaft lautet „Cori ist toll und sie hat viele, viele Fans!“.

Die Besorgnis erregende Frage für mich ist nun aber folgende: Allgemein sagt man, dass es immer dann eine Revolution und einen Umsturz gibt wenn die Diskrepanz zwischen herrschender und begüterter Klassen und der beherrschten und armen Klasse zu groß werden und der Leidensdruck eine gewissen Schwelle überschreitet.

Doch wie ist das heute? Ist unser Prekariat überhaupt noch zu einer Revolution fähig? Revolutionen werden ja meistens nicht geplant. Im normalen Fall ergeben sie sich plötzlich einfach. Plötlich ist durch ein Ereignis eine bestimmte Aufregung da, diese trifft auf eine erwartende Grundstimmung im Volke und schon hat man eine Revolution. Aber kann es nicht sein, dass solche Bewegung, eine revolutionäre Grundstimmung heute einfach bereits im Keim erstickt wird?

Sind nicht vielleicht die terroristischen Bewegungen und die linksautonomen Gewaltexzesse von Hamburg genau das was noch von einer „Revolution“ übrig geblieben ist? Bitte, versteht mich nicht falsch. Ich befürworte dieses Verbrechertum nicht. Ich denke auch, dass der Terrorismus rein garnichts bewirken wird und bewirken kann außer Zerstörung zu schaffen und Hass zu sähen.
Aber ich gehe davon aus, dass diese Bewegungen und Gruppierungen nur deshalb soviel Zulauf haben weil junge Menschen auf der ganzen Welt irgendwo spüren, dass sie langsam aber stetig verarscht werden. Ob dieses Gefühl der Wahrheit einspricht oder nicht sei bitte auch einmal außen vor gelassen. Aber es gibt genug Dinge die einen glauben machen, dass es tatsächlich so ist.

Jemand der heute in Berlin mit der Maurerkelle in der Hand ein Haus baut, weiß ganz sicher, dass er nie in seinem Leben eines dieser Häuser wird kaufen können um darin zu wohnen. Wir haben Expertisen die sagen dass jeder der nach 1990 geboren ist, vom Immobilienmarkt Deutschland ausgeschlossen ist. Wir haben Menschen die 5 Jobs haben müssen um irgendwie ihr Lehramtsstudium zu finanzieren und die am Ende private Nachhilfe geben, weil ihr Bundesland gerade keine Lehrer mehr einstellt. Wir haben die Generation Praktikum, die sich von eine Praktikum zum nächsten hangelt ohne je irgendwo einen Ausbildungsplatz oder gar einen Job zu bekommen.
Aber im Fernsehen sehen wir laufend Gewinner. Gewinner von Wer wird Millionär, Lottogewinner, clevere Studenten die abgelaufene Lebensmittel aus Supermärkten abholen um am Essen zu sparen und alle feiern ihre großartige Idee. Aber am Ende ist es auch nichts anderes, als dass sie davon leben müssen was andere wegwerfen. Wir sehen Start-up-Gründer, Sieger von Germany’s next Topmodel, Sieger von DSDS. Die Wahrheit aber ist, dass die aller meisten von uns keine Models werden, keine Rockstars und keine Youtube-Stars. Die meisten Menschen sind heute froh wenn sie einen Beruf lernen können, sich in diesem Beruf totschuften dürfen und es am Ende zur 2,5 Zimmer Mietwohnung, zum heiraten und vielleicht einem Kind reicht. Urlaub kann man auch günstig im Elbsandsteingebirge machen. 

Aber jedem von uns wird durch die Medien eingetrichtert: Du bist doch selber Schuld, Du könntest ja auch ein cleveres Internetgeschäft aufmachen. Und so erstickt der große Umsturz und der mächtige Ruf nach Gerechtigkeit in Selbstzweifel und stillem Ärger.

Daher meine Frage an Euch: Glaubt Ihr dass unsere Gesellschaft überhaupt noch zu nennenswerten Umstürzen fähig ist oder sind wir inzwischen so manipulierbar, dass man uns einfach dazu bringen kann dass wir freiwillig auf einen Umsturz verzichten. Immerhin hat man ja bei der Wahl von Donald Trump und dem Brexit gesehen dass es manchmal eben doch anders läuft als erwartet.

In diesem Sinne

Eure
Cori

Montag, 10. April 2017

Katu hat alles richtig gemacht...

...für die die sich nicht erinnern können. Vor langer Zeit gab es einmal eine Mitspielerin mit Namen Katu Savira! Sie war lange Zeit die Se unserer Gruppe, der Pyrana, stieg dann zur En auf und war plötzlich verschwunden. Zwar ermöglichte dieses meinen eigenen Aufstieg zur En, doch mir wäre es lieber gewesen dass Katu weiter dagewesen wäre.

Nun ist die Zeit gegollen wo auch ich seit langer Zeit einfach weg bin. Ziviel ist in meinem RL-passiert, als dass ich ausreichend Zeit für Second-Life oder Gor hätte. Ich bin im Gegenteil schon sehr froh wenn ich es einmal im Monat zu einem PnP-Rollenspiel schaffe. Was soll ich sagen, das Leben als Alleinerziehende ist eben kein Ponyhof.

Katu aber, um die geht es ja in dem Post, hat aber alles richtig gemacht. Sie kam so gefühlt jedes Jahr einmal vorbei und schaute Nach ob es die Pyrana noch gab. Ich bin nun auch seit über einem Jahr aus SL weg und ich muss sagen, ich vermisse zwar die abendlichen Gespräche mit meinen engsten Freunden (Ja, liebe Loo, ganz besonders Du bist gemeint!) aber ich vermisse das Spiel, Second Life, nicht mehr. Im Gegenteil ich habe einen richtigen Widerwillen entwickelt wenn ich abends doch mal Zeit hätte mich einzuloggen.

Insgesamt glaube ich, dass ich einfach viel zu spät den Absprung geschafft habe. Während auf mich eigentlch nur jeden Tag ein schmezender Haufen von Gortrümmern wartet, hatte Katu noch mehrere Jahre lang veränderungen und Entwicklungen die sie beobachten konnte.

Was mich wirklich umtreibt ist die Frage ob es die Pyrana noch gibt und wenn Ja, wie sie sich so schlagen?

Vielleicht logge ich mich ja doch mal wieder ein.   

In diesem Sinne

Eure
Cori

Dienstag, 27. September 2016

Seid nett zueinander



Die Meldung ist zwar schon einige Tage alt, aber ich finde sie so herrlich skuril, dass ich sie gerne noch einmal repetieren möchte:

Forscher der Universität von Pennsylvania haben in einer großen Studie festgestellt, dass Menschen die im Internet oft Fluchen ein höheres Risiko haben ein Herzinfarkt zu erleiden.

Wer also auf Twitter, Facebook und Co. häufig das böse F-Wort oder dessen Varianten benutzt hat ein deutlich erhöhtes Risiko einen Herzinfarkt zu erleiden. Das gleiche gilt für andere Schimpfwörter. Erstaunlich ist, dass nach der Studie sich ein positives Vokabular, also Worte wie „wunderbar“, „gut“, „gute Gelegenheit“ sich gesundheitsfördernd auswirkt und das Risiko für Herzinfarkte senkt.

Die Bedeutung dieses Risikofaktors wird sogar höher eingeschätzt wird als zum Beispiel Rauchen und Bluthochdruck zusammen!  Die Studie soll so valide sein, dass es sogar schon Krankenversicherer gibt die erwägen ob man ein solches „Fluchverhalten“ im Internet mit höheren Beitragssätzen belegen kann.

Ich frage mich zu der Studie allerdings ob nicht bei vielen der Internetflucher, auch die anderen Risikofaktoren, also Rauchen, Diabetes, gestörte Fettstoffwechel und Bluthochdruck zusammen kommen? Wer sich wegen einem Diabetes oder hohem Blutdruck permanent schlecht fühlt neigt natürlich auch dazu verbal viel früher aus der Rolle zu fallen.

Also wäre es in diesem Fall wohl hilfreich wenn man entweder nur noch Nettigkeiten schreibt oder auf das momentan sehr im Trend liegende Darknet ausweicht. Die dritte Möglichkeit ist einfach gar nichts im Internet zu posten. 

In diesem Sinne bleibt gesund!

Eure Cori

Samstag, 6. August 2016

Heute Nacht…



Sind die Olympischen Spiele in Rio de Janairo eröffnet worden und die Welt sieht zu. Aber selten waren olympische Spiele von so vielen Skandalen im Vorfeld überschattet. Zum einen haben wir da die Unzufriedenheit der Brasilianer die nicht verstehen wie ein Milliardenprojekt wie Olympia gestemmt werden kann wenn man auf der anderen Seite kein Geld für Schulen, Krankenhäuser oder zur Sanierung der Favelas ausgeben will oder kann. Die Proteste gegen dieses Megaevent waren hinreichend thematisiert worden. Besonders peinlich dabei, dass man bei den Bauarbeiten nicht mal rechtzeitig fertig geworden ist und offenbar ähnlich skandalös gebaut wurde wie beim BER in Berlin. Der Zustand des olympischen Dorfes soll ja katastrophal sein.

Doch das alles wäre zu verkraften. Es wäre zu verkraften wenn das Olympische Komitee (IOC) sich selbst und seiner Idee treu geblieben wäre. Die Idee von Olympia sagt doch eigentlich aus, dass sich die Athleten aller Länder, damals noch der hellenischen Stadtstaaten, zu friedlichen und sportlichen Wettkämpfen treffen. Während der Spiele schwiegen die Waffen und man bestaunte und respektierte die Leistungen aller Teilnehmer. Auch wenn jemand eine Sache nicht konnte, glänzte er eben in anderen Disziplinen. Man respektierte und bewunderte Ihn dafür dass er sich dem Wettkampf überhaupt stellte. „Dabei sein ist alles!“. Olympia war ein Fest der Versöhnung des Friedens und des Respektes. Es war als gelebte Völkerverständigung gedacht.

Doch was haben wir heute? Der Sport ist heute keine Nebensache mehr die einige Leute machen weil es ihnen eben Freude macht. Sport ist eine Industrie. Ähnlich wie In Hollywood werden im Leistungssport Legendenproduziert. Benjo Maso hat in seinem Buch „Der Schweiß der Götter“ am beispiel des Radsportes sehr einleuchtend aufgezeigt in welchem Dilemma der Moderne Leistungssport derzeit steckt.

276 Russische Sportler dürfen in Rio an den Start gehen. Eine ganz beachtliche Zahl für ein Land das soeben des „Staatsdopings“ für schuldig befunden wurde. D.h. einem Land indem man davon ausgehen muss das JEDER Sportler der in der Spitze seines Landes steht mit diesem Dopingsystem Kontakt hatte.

Das IOC hat nun gesagt die Fachverbände sollen entscheiden wer gesperrt wird und wer nicht. Wohl wissend dass eine so hohe Zahl von Einzelfallprüfungen in der Kürze der Zeit nicht mehr zu bewältigen war. Die Welt schrie auf, man schämte sich für den IOC-Präsidenten fremd und zeigte sich allenthalben entrüstet.

Doch mal ehrlich, was erwarten wir, die Zuschauer denn eigentlich? Wir möchten gerne Spitzenleistungen sehen und wir möchten am liebsten die Sportler aus unserem Land gewinnen sehen. Die Veranstalter wissen das. Also sind sie daran interessiert, ähnlich wie ganz normale Zirkusbetreiber, Attraktionen anzubieten. Den schnellsten Mann der Welt, den Stärksten, eine Dressurreiterin deren Pferd Kopfstand machen kann oder sonst was.

Solange die Attraktion stattfindet fragt hinterher keiner wie sie ermöglicht wurde. Dieser Mechanismus lebt seit Jahrzehnten, wenn nicht gar Jahrhunderten. Auch über Deutschland wissen wir, dass vor der Olympiade in München vom deutschen olympischen Sportbund ganz klar vorgeben wurde wie viele Medaillen gewonnen werden müssen und dafür wurde gerade an die Pharmaindustrie und die Sportmedizin großzügige Finanzhilfen verteilt. Die Russen machen das so, die Amerikaner ebenfalls, nach der Olympiade in London ist es für England zumindest anzunehmen.

Es ist auch nicht so, dass die russischen Athleten um Welten besser sind als alle anderen. Somit muss man wohl vermuten dass auch bei den nicht russischen Athleten ein Haufen pharmakologisch getunter Freaks unterwegs sind. Die Russen haben also nichts anderes gemacht als alle anderen, nur haben sie sich eben dabei erwischen lassen.

Olympia bekommt also seine Attraktionen, auch wenn es diesmal eben weniger Russen sind. Das liegt im Sinne des Veranstalters. Denn nur wer eine gute Show bietet kann Werbung verkaufen und Übertragungsrechte und Eintrittskarten und so weiter. Das schlimmste was so einem Sportveranstalter passieren kann ist, dass eine Dopingagentur daher kommt und beweist dass alles nur Betrug war.

Man muss also konstatieren dass das IOC und die Welt-Antidoping-Agentur (WADA) sowas wienatürliche Feinde sind. Dadurch dass das IOC als Veranstalter eindeutig die größeren Einflussmöglichkeiten auf die eigene Veranstaltung hat ist anzunehmen dass man die WADA-Kontrolleure auch in diesem Jahr wieder effektiv wird ausbremsen können und die große Show reibungslos von der Bühne gehen kann.

Da kommt es ganz gelegen, dass es ein paar militante Proteste gibt, die man medienwirksam abbilden kann, dann achtet nämlich niemand mehr auf den eigentlichen Skandal.

Und der eigentliche Skandal ist, dass der Mord an der olympischen Idee durch die Inszenierer der olympischen Spiele selbst begangen wird und zwar aus reiner Geldgier.

Aus Geldgier werden alle vier Jahre Menschen aus Ihren Wohnunge verjagt um Platz für moderne Stadien zu schaffen. Nur aus Geldgier müssen alle vier Jahre irgendwo Leute Portestieren, Polizisten einschreiten, ein Heer von Journalisten, Trainern, Betreuern, Athleten und Funktionieren untergebracht werden und auch für sie alle notwendigen Sicherheitsvorkehrungen organisiert werden. Wer bezahlt das alles?

Du bezahlst das und ich und alle anderen Steuerzahler. Durch unsere Fernsehgebühren unsere Steuern unsere Eintrittskarten und die Bratwurst die wir uns im Stadion gönnen. Und für wen bezahlen wir das? Für einen Haufen geld- oder prestigegeiler alter Säcke!

Ganz ehrlich: Der einzige Grund warum ich Olympia doch hin und wieder sehen werde ist die Flüchtlingsmannschaft! Der ich die Daumen drücke und von der ich hoffe, dass sie die anderen in Grund und Boden laufen, springen, werfen, turnen oder schwimmen!

In diesem Sinne

Eure Cori    

Freitag, 15. Juli 2016

Der Spiegel mal wieder...



Mein Lieblingsonlinemedium „Spigel online“ hat sich heute einmal mehr unter der Überschrift „Euros für Ärzte“ aufgemacht der gesammelten Ärzteschaft der Republik Korruption und Bestechlichkeit nachzuweisen. Gleich fünf (!) Artikel die die Käuflichkeit der Mediziner nachweisen sind da hinterlegt, welche in Zusammenarbeit mit Corrective, eines „gemeinnützigen Rechercezentrums“ erstellt wurden.

Stein des Anstoßes ist es, dass vorwiegend Pharmaunternehmen durch Spenden, oder die Finanzierung von Fortbildungen versuchen die Ärzte dahingehend zu beeinflussen, dass diese Ihre Medikamente verordnen und nicht die der Konkurrenz. Den Ärzten wird nun vorgeworfen, dass sie solche Zuwendungen annehmen anstatt sie empört zurück zu weisen.

2015, so kann man einem Artikel entnehmen, gaben 54 als Medizinbedarfshersteller geltende Firmen rund 119 Millionen Euro aus. Damit hat nach einfacher Division jeder in Deutschland tätige Arzt im Schnitt 1600 Euro angenommen. Da ist es für mich schon mal beruhigend, dass ich da schon mal drunter liege. Ich glaube 2015 habe ich einen Satz neonfarbene Klebezettel von einer Vertreterin für Gerinnungshemmer angenommen. Hätte ich sie im Laden gekauft hätte mich das wahrscheinlich ca. 199 Cent gekostet.

Aber ich will ehrlich sein. Ich war auch schon auf „Fortbildungen“ die ganz klar darauf ausgelegt waren mir Produkte zu versüßen. So wurde ich zum Beispiel einmal in eine europäische Großstadt eingeladen, durfte zwei Nächte im Firmeneigenen Fortbildungszentrum mit umfassendem Wellnes und Sportangebot nächtigen, wurde bestens mit Darbietungen, Stadtrundfahrten, Werksbesichtigungen, Speisen und Getränken versorgt, um am dritten und letzten Tag 45 Minuten Fortbildung von einem doch eher zweitrangigen Kollegen zur Produktpalette des veranstaltenden Unternehmens zu hören wo die Ergebnisse der selbst durchgeführten Studien vorgetragen wurden.

Aha, da haben wir es. Die Cori ist bestechlich! Sie hat sich von Pharmaleuten schick den Wochenendurlaub bezahlen lassen und verordnet jetzt bestimmt nur noch die Pillen von diesem Pharmafabrikanten! Holt die Polizei und am besten noch die heilige Inquisition!

Habe ich deswegen mehr Präparate dieser Firma verordnet? Ich habe das zwar nicht genau untersucht. Aber ich denke, dass die Auswahl eines Medikamentes soweiso immer auf individueller Basis getroffen wird. Ob ich nun bei Bluthochdruck das Ramipril von Ratiopharm oder ein anderes Generikum verordne richtet sich nur danach was meien Klinikleitung eingekauft hat. Bei den Antiepileptika einfach danach welches der Patient am besten verträgt und das gelichzeitig am besten wirkt. Gerade bei den Antiepileptsichen Generika unterscheidet sich die Bioäquivalenzspanne und damit die Wirksamkeit enorm! 

Solche Angebote der Pharmaindustrie habe ich allerdings seit Jahren nicht mehr erlebt. Selbst Kugelschreiber bei Vertreterbesuchen werden inzwischen nur noch im Vorbeigehen wie Drogentütchen übergeben. Aber ich denke um die Kugelschreiber geht es auch nicht. Es geht um die Erstattung von Fortbildungskosten und Anreiseaufwendungen.

Dazu muss man sich allerdings mal vergegenwärtigen, dass Ärzte, wie kaum eine andere Berufsgruppe, einem fortwährenden Fortbildungsdiktat unterliegen. Einerseits natürlich aus fachlicher Sicht nachvollziehbar. Man muss sein Wissen schon versuchen ständig zu erweitern, so wie die Entwicklung eben voranschreitet. Aber wenn man sich mal ansieht was alles an Forderungen allein in den Logbüchern zu den einzelnen Facharztausbildungen steht, dann kommt da einiges an ausgaben zusammen. In der Neurologie fallen mir da spontan der Sonographiekurs ein den man besuchen soll. Da gibt es Anfänger Aufbau und Abschlusskurse die jeweils Geld kosten. Wenn man nicht zufällig am passenden Ort wohnt fallen Fahrtkosten an und Wochenendzeit geht verloren. Analog gestaltet es sich bei den EEG-Kursen, den Eleptrophysiologiekursen, dem Strahlenkunde-Kurs.

Zusätzlich erwarten in der Assistenzarztzeit die Chefärzte und als Facharzt fordert es die Ärztekammer, dass man innerhalb einer bestimmten Frist eine bestimmte Anzahl an Fortbildungspunkten sammelt um seine Facharztzulassung nicht zu verlieren. Um Punkte zu sammeln muss man Kongresse oder einzelne Fortbildungen besuchen. Die Teilnahme an einem großen Kongress einer Fachgesellschaft kostet natürlich auch locker 100-200 Euro und dann darf man dort nur die öffentlichen Veranstaltungen besuchen, die übrigens wiederum nicht selten von einzelnen Herstellerfirmen veranstaltete werden. Um die kostenpflichtigen Kurse oder Vorträge bei so einem Kongress zu besuchen muss man natürlich wieder Geld auf den Tisch legen. Die Preisspanne ist hier so zwischen 25 und 500 Euro anzusetzen, denke ich.

Hat man sein Facharztausbildung abgeschlossen und endlich die Freiheit gewonnen unabhängig von einem Oberarzt oder Chefarzt arbeiten zu dürfen (nach im Idealfall 6 Jahren Studium und 5 Jahren Weiterbildungszeit), geht es nicht selten darum Zusatzqualifikationen zu erwerben. Man kann sich also zum Beispiel noch als Notarzt ausbilden lassen, oder Schmerztherapeut, Palliativmediziner, Sportmediziner etc. Alle diese Kurse kosten und zwar nicht zu knapp. Die Ausbildung zur Schmerztherapeutin wird mich zum Beispiel rund 64.000 Euro kosten.

Nun kann man natürlich sagen, dass es ja mein Privatvergnügen ist Schmerztherapeutin zu werden, da kann ich schon auch mal in die eigene Tasche greifen und das werde ich auch tun. Das Problem dabei ist, dass wer keine Zusatzbezeichnung oder Subspezialisierung erwirbt recht schnell am Ende seiner Karriere angelangt ist. Denn für jeden Kollegen der keine solche Fortbildung macht gibt es irgendwo einen der sie macht und der bekommt dann auch die Oberarztstelle.

Die entscheidende Frage ist nun allerdings was passiert wenn ich Schmerztherapeutin bin und eine Pharmafirma mich fragt ob ich nicht auf ihrer Fortbildungsveranstaltung einen Vortrag halten wolle. Man darf dabei nicht vergessen, dass auch Fachvorträge einen hohen Vorbereitungsaufwand haben. Recherche, Präsentationserstellung, Üben, Nachbessern, Feedback-Einholen etc.  Ist es wirklich verwerflich dafür 3000,- Euro zu kassieren?

Wie viele Vorträge müsste ich wohl halten um mir diese Schmerztherapieausbildung zu finanzieren? Mit dieser Frage möchte gerne schließen und mit der Meinung, dass ich die Korruption im medizinischen Bereich, obwohl die Medizin von einer Kunst zu einem Business verkommen ist, für bewundernswert gering halte! Ich möchte nicht wissen was im Vergleich in anderen Industrien, geschmiert, bestochen und gekauft wird. Da wäre eine Nachforschung von Correctiv deutlich angebrachter. Elende Neidhammel!

Eure höchstwahrscheinlich durch und durch koruppte
Cori