Freitag, 7. September 2012

War früher doch alles besser?

Um es gleich vorweg zu schicken: In dem folgenden Text will ich niemanden persönlich angreifen. Ich meine niemand bestimmtest und sollte sich jemand angesprochen fühlen, so müssen die sich ergebenden Parallelen rein zufälliger Natur sein. Für den Fall, dass sich jemand gar bloßgestellt fühlt so bitte ich vielmals, aufrichtig und ehrlich um Entschuldigung und bitte höflich darum von Banns, Mutes, Drohungen oder andere Repressalien Abstand nehmen zu wollen.

Obwohl ich mir vorgenommen hatte keinen Rant-Blog zu betreiben, also einen Blog indem sich die Betreiber stetig und andauernd über irgendwas aufregen, so muss ich heute doch einen Evergreen dieser Thematik aufgreifen der sogar noch populärer ist als die stetig wiederkehrenden Posts über das Sommerloch.

Das Thema heute heißt: „Früher war alles besser“ oder „Früher gab’s doch so was nicht!“.
Was meine ich? Früher haben wir uns in den Blogs und Foren über Leute aufgeregt die schwarze Klamotten getragen haben. Da machte man sich schon als BtBer verdächtig wenn man wusste das die Spielwelt „Gor“ heißt und das sie auf irgendwelchen Romanen basierte.
Früher ging’s vieler Orts ganz klassisch darum einen Vorwand zu finden etwas verwegen anmutenden Cybersex zu haben.

Als ich von Esem zu Cori wurde, war eines der ersten Dinge die ich mir besorgte so eine Sex-Hud, weil als Esem hatte ich das gelegentlich, in Gefangenschaft gebraucht. Also Cori bin ich in drei Jahren gerade mal einmal in die Notwendigkeit gekommen den Beischlaf zu praktizieren.

Es wird auf SL-Gor einfach viel zu selten mal wer vernascht! Früher haben Herren, die heute alle Jarls heißen, ihre Kajirae, die heute alle Bonds heißen weil sie zu faul sind Bondmaid zu schreiben, auch mal direkt in der Taverne ins Zimmer gezerrt und, weil die Chatrange immer noch 20m ist, den ganzen Schankraum unterhalten.

Heute hingegen haben Schwänze-tragende Hermaphroditen-Panthermädchen im stillen Kämmerlein einvernehmlichen Sex mit ihren borderline-gestörten Sklavinnen. Es wimmelt auf SL-Gor so dermaßen von Lesben und bisexuellen und progessiven „Ich-brauch-keine-Kinder-ich-bleib-lieber-schank-und-lass-mich-Foltern“-Superschicksen, dass es wirklich erstaunlich ist wie es überhaupt Nachwuchs auf Gor geben kann!

Das aller, aller nervtötendste aber sind diese ewigen „Mir-geht’s-aber-am-schlechtesten!“-Hysteriker! Der Werdegang so einer selbstzündenden menschlichen Granate ist eigentlich immer der selbe und wird ausschließlich davon beeinflusst wie stark sich der/die betreffende mit seiner/ihrer Gruppe verbunden fühlt.

Am Anfang kommen sie neu in die Gruppe. Die Gruppe bemüht sich um die neuen Mitspieler und versucht sie einzubinden. Möglichst viel natürlich, denn die Gruppe hofft auf einen neuen Entertainer, einen Vorturner dem man hinterher rennen kann und der dafür sorgt, dass die Konservendose der allabendlichen Kurzweil allzeit gefüllt ist.

Wenn es klappt dass derjenige irgendwann dieses Gruppe als „seine“ Gruppe empfindet (gemeint ist „seine“ hier nicht als Besitzstandszeichen sondern als Identifikationssymbol und virtuelle Heimat) dann klappt das. Dan riffelt sich der oder die Neue für die Gruppe auf, leitet Raids, plandt RP-Plots, spendet bis zur Selbstverschuldung fühlt sich schlecht wenn sie abends vor Mitternacht ins Bett geht um an nächsten Morgen noch aus den Augen gucken zu können.
Wenn diese Verschweißung von Privatperson und Gruppe nicht funktioniert ist das Chaos vorprogrammiert. Denn dann versucht der Neuankömmling entweder von sich aus die Gruppe so zu verändern wie er oder sie die gerne haben möchte oder die Gruppe drängt denjenigen in einen Position wo er auf einmal etwas machen soll was er eigentlich gar nicht will, nämlich anführen.

Da kommt man nach Gor um sich allabendlich für zwei drei Stunden unterhalten zu lassen und nun auf einmal soll man selber die Bühne bereiten damit andere das machen können was man selber gerne tun würde. Der einzige Grund der mir spontan einfällt warum jemand so was dämliches machen sollte ist eben der, dass man sich mit der Gruppe so sehr identifiziert dass man gerne die Bühne anderen überlässt. Und solche Leute gibt es kaum noch auf Gor.

Früher brauchten wir das nicht. Manchmal habe ich tagelang nur mit meinen Schwestern im Camp gesessen und wir haben über Gor geredet. Was hielt man von der Tatrix der benachbarten Stadt? Kannte man die neuen Gruppe schon? Dürfen Schamninnen eigentlich kämpfen? Wenn Panther ihre Camps aus Holz bauen warum benutzen sie dann keine Äxte als Waffen und wenn sie es doch tun, warum sind sie dann in den Büchern nicht beschrieben? Dürfen Panthermädchen Schuhe, Sandalen oder Stiefel tragen?

Man konnt übrigens damals noch frei von der Leber weg mal seinen Frust über eine Gruppebführung einen Sim-Owner oder ähnliche Autoritäten im eigenen Camp rauslassen, weil man noch nicht befürchten musste, das so einen Chamälion-Vollzeitgoreaner mit seinem hundertsten Alt dabei ist der alles direkt an irgendwen weiter skypt und man am nächsten Tag irgendwelche gekränkten und/oder wütenden IMs bekommt, weil die besprochener Personalie, wo hingehört hat wo sie nicht hin hören sollte und nun verwundert ist dass ihr nicht gefällt was sie gehört hat.  

Zwar gibt es auch noch anständige und ehrliche Spieler, aber sie alle haben inzwischen ihre eigenen verwaisten Gruppen in denen sie verbissen ihre Fahne hochhalten. Dörfer mit drei Spielern, Pantherstämme mit zwei Schwestern, Piratenstädte in den nur noch eine Sklavin haust sind keine Seltenheiten mehr.

Auch die Grundeinstellung auf Gor scheint eine andere geworden zu sein. Es hat sich diese „Ich-bin-am-Wichtigsten“-Mentalität. Diese wird natürlich auch durch das Werben der Grupen um neuen Spieler/innen gefördert. Alles Gruppen suchen mich und wollen mich als Mitglied haben, da muss ich doch wichtig sein! Also habe ich ob meiner Wichtigkeit auch das Recht die Gruppe zu verändern, Leute zu kritisieren zu beleidigen und mit Schuld zu beladen wie ich will oder etwa nicht? Schließlich haben die doch alle auf mich und meine Hilfe gewartet, oder nicht?

Wenn ich dann das was ich wollte nicht umsetzen kann, meine Ziele nicht erreiche oder an der Widerspenstigkeit der anderen Scheitere dann ist das natürlich ein willkommener Anlass die Gruppe zu verlassen und die Schuld dafür denen in die Schuhe zu schieben die mir nicht nach dem Mund geredet haben. Die Logik ist dabei folgende: „Du gibst mir nicht Recht, also magst Du mich nicht und weil Du mich nicht magst gehe ich jetzt, damit Du siehst was Du davon hast mich nicht so zu mögen wie ich es verdient hätte!“

Damit mir auch ja  niemand mein Vorhaben ausreden kann, bespreche ich meine Abwanderungspläne auch wohlweißlich mit niemandem, dann laufe ich auch nicht Gefahr als eitle kleine rückgratlose Zicke enttarnt zu werden.

Letztlich bleibt es bei der alten Regel: Wer die Kapelle bezahlt bestimmt die Musik die sie spielt! Zahlen kann in zweierlei Hinsicht erfolgen einmal durch monetären Aufwand, aber auch über "Dienstleistungen" FÜR die Gruppe! Sowohl das Geld um die Landmiete zu bezahlen ist überlebenswichtig für die Gruppe, als auch Menschen die in der Gruppe und für die Gruppe spielen.

Klar eine Pledge die selten bis nie im Mittelpunkt eines Plots steht, kann es sich leisten on und off zu gehen wann sie will. Sobald ich aber ein Amt in einer Gruppe bekleide gebe ich diese Freiheit (machen zu dürfen was ich will) zugunsten von mehr Einflussmöglichkeiten auf. Sobald ich einen Gruppe beginne zu beeinflussen übernehme ich auch ein Stück weit die Verantwortung für die Geschicke dieser Gruppe. Wenn es also aufgrund meiner Amtsführung zu Spannungen innerhalb der Gruppe kommt, dann ist es meine Verpflichtung mich mit diesem Problem auseinander zu setzen.

Völlig abwegig erscheint mir die Behauptung, dass einen Gruppenführung so etwas wie der Entertainer der Gruppe sein müsse. Meistens ist es so dass die Anführer einer Gruppe auch finanziell das meiste beisteuern und die Gruppe zu erhalten. Kennt ihr einen Entertainer, der so schlecht und gleichzeitig so selbstherrlich ist, dass er sein Publikum bezahlt damit es ihn weiter auf der Bühne stehen lässt? Wie schlecht und langweilig muss man denn da sein um sich die Frage zu stellen wie viel man bereit ist dafür zu zahlen dass man wieder spielen darf?

Nein, die Unterhaltung muss aus dem den Reihen der Gruppenmitglieder kommen und die Aufgabe der Gruppenführung ist es zu entscheiden welchen Plot die Gruppe verfolgt und auch die ganze Gruppe auf diesem Weg mit zu nehmen.

Früher hörte ich als Begründung warum man zu den Pyrana will, dass man Rollenspiel machen möchte, Abenteuer erleben, ein zu Hause finden will. Heute höre ich meistens nur noch „Ich bin hier um Spaß zu haben.“. Natürlich sind diese Leute sofort maximal beleidigt wenn man ihnen erklärt dass es den Spaß nicht zum Null-Tarif gibt.

Es bleibt unterm Strich nur die Frage: Wo sind sie, die alten Goreaner?

Irgendwer sagte mal zu mir, dass wir alle heute unter unseren Anfängersünden leiden. Als unerfahrene Grünschnäbel haben wir uns Feinde udn Freunde geschaffen. Wir wurden verletzt und haben verletzt. Doch gerade weil viele von uns sich seit drei vier oder noch mehr Jahren "kennen", sollte es eigentlich möglich sein, dass wir einander diese "Jugendsünden" vergeben und wieder einfach um des Spieles willen unser gemeinsames Spiel pflegen.

Wenn es also früher besser war, dann sollten wir wohl am liebsten alle von gestern sein.

Eure
Cori

5 Kommentare:

Justin hat gesagt…

Tja, früher hatte man auch eher weniger an limits gedacht. Heute wird man wegen jeglichem Limitverstoß von irgendwelcher Seite des Profils OOC doof angemacht. Und da "Kein Sex" eines der häufigsten ist, keine Ahnung wie das weitergehen soll.

Nun ich habe zum meinen Teil schon 4 Goreaner auf die Welt gesetzt ;).

Anonym hat gesagt…

danke Justin für deine Anstrengungen.
Zunächst - Cori - willkommen zurück!
Du hast Recht, das mit den Jugendsünden, aber alles was man neu beginnt - wie Gor z.B. gräbt sicht tief ein ... niemand kann aus seiner/ihrer Haut schlüpfen und so werden Feindschaften weiter gepflegt ... ist halt auch etwas Charaktersache .. und die wenigsten sind Heilige

Versuchen wir es einfach , meist bleibt es ja nur dabei .. aber versuchen wir ein schönes RP zusammenzubringen ..
lg, die Ersatz-SE

Anonym hat gesagt…

Zauberland ist abgebrannt,

hallo Cori beim lesen deines Artikels kam mir der alte Rio Reiser Song ins Ohr. Ja, Zauberland ist abgebrannt, damals als wir anfingen mit SL und durch irgendein Zufall auch mit Gor, damals war alles neu und aufregend. Es gab Welten zu entdecken und viel zu lernen. Natürlich waren wir auch toleranter und meist freundlicher als heute, ui ui was habe ich mir alles gefallen lassen. Heute sehe ich einfach alles viel nüchterner, und meine Grafikkarte schaltet sofort im Sparmodus um sobald ich Sl aufrufe. Es hat sich leider nichts groß weiterentwickelt und das spannende neue, ist gelangweilter Routine gewichen. SL hat die Mehrwertsteuer eingeführt und man muss überall Copyrechte beachten und die Träume gibs nur noch am Traumautomat oder gar nicht.

Nein ich sehe das nicht negativ, es ist halt ein normaler Prozess. Und so sitze ich manchmal auf unserer Talunawache und summe leise: „Zauberland ist abgebrannt und brennt noch irgendwo“.

Sulu die sich mal die Sonne von Gor genannt hat.

Anonym hat gesagt…

Hi, ich werde auch hin und wieder gefragt, warum ich nicht mehr auf Gor mitmische, da ich doch sehr begeistert war (eigentlich immer noch bin, aber jetzt nicht mehr in SL-Gor).

Ist doch einfach:
Wenn man freundlich ist, wird man für ein Weichei gehalten.
Wenn man Hingabe zeigt, wird man rigoros ausgenutzt.
Wenn man Ideen hat, wird man um seinen angeblichen Überschuss an Fantasie beneidet. Oder auch beklaut.

Was soll ich mit solchen Leuten?

Verziehen habe ich allen alles, aber bei einem Neuanfang, da bin ich absolut sicher, würde ich dasselbe in Grün noch einmal erleben. Und das muss ich nicht haben!

Liebe Grüße: amidala Oh

Anonym hat gesagt…

mm, naja es ist immer wieder rührend wenn die die so gerne auf andere rumtrampeln zur Versöhnung aufrufen.

Perfide wird es aber wenn man die schwachen noch kurz vorher verhöhnt.

ZITAT
"Das aller, aller nervtötendste aber sind diese ewigen „Mir-geht’s-aber-am-schlechtesten!“-Hysteriker! Der Werdegang so einer selbstzündenden menschlichen Granate ist eigentlich immer der selbe und wird ausschließlich davon beeinflusst wie stark sich der/die betreffende mit seiner/ihrer Gruppe verbunden fühlt.
ZITAT ENDE.

Ich gehöre leider zu denen die in Gor immer verarscht wurden, belogen wurden und betrogen wurden. Aber pssss' das darf man doch so nicht sagen.