Freitag, 17. Mai 2013

Reise nach Turmus - Das Voskdelta

Jetzt wo der die ganze Gruppe auf dem Schiff war, gab es etwas mehr Freizeit für jede von uns. Wir lungerten an Deck herum sonnten uns während wir die Reling als Sichtschutz gegenüber anderen Schiffen verwendeten. Außerdem mussten unsere beiden Deckwachen, die Steuerfrau und der Bugausguck stets die Tuniken tragen die wir unter Deck gefunden hatten. Damit sah man unförmig genug aus um auf größere Entfernung nicht sofort als Frau erkannt zu werden. Schließlich wäre ein Schiff nur mit Frauen an Bord für jeden Sklavenhändler so gewesen, wie wenn ich früher als Kind eine verlorene Geldbörse in den Straßen Treves gefunden hätte.

Irgendwann veränderte sich die Vegetation an den Ufern. Wir sahen mehr Heidgräser, Brakbüsche und Knorrige Tur-Bäume. Das Wasser wurde brackig und immer wieder schwammen losgerissene Äste und Algen und Wasserpflanzen in den immer enger werdenden Flussarmen.

Wir wussten das wir uns nördlich halten Mussten sofern wir der scheinbar uralten Karte trauen konnten. Wir mussten das Schiff nun häufiger mit den Paddeln vom Ufer wegstaken. Bis wir irgendwann ein lautes Knirschen und Schaben hörten und sich das Schiff leicht auf die linke Seite legte. Dann bewegte es sich gar nicht mehr. Wir waren auf Grund gelaufen.

Sofort stürmten alle an Deck und die neue Situation wurde unter den Jägerinnen eifrig diskutiert bis die En entschied, dass wir hier an Land gehen würden. Während die anderen Schwestern unsere Ausrüstung zusammen packen sollten fiel Moira und mir die Aufgabe zu als erste an Land zu gehen und das unmittelbare Umland zu erkunden.

Mit inzwischen geübten Bewegungen kontrollierte ich meine Ausrüstung. Wasserflasche, Sleenmesser, Jagdspeer, Bogen, Feuersteine und meine kleine Tasche mit Lederzeug, alles war an seinem Platz und saß fest auf meinem Rücken oder hing an meinem Gürtel.

Erste Späherinnen gehen an Land
Betont lässig ging ich zur Bordwand und sprang, die Beine voran ins Wasser nur im nächsten Moment schmerzvoll das Gesicht zu verziehen. Irgendwie hätte ich mir Denken können dass das Wasser nicht besonders Tief war, da wir ja eben auf Grund gelaufen waren. Ich versuchte mir nichts anmerken zu lassen und nahm Moria ihre Ausrüstung ab die sich deutlich vorsichtiger als ich auf den Weg machte.

Gemeinsam wateten wir über den schlammigen Boden durch Algen- und Blätterfelder dem sumpfigen Ufer zu. Ich nahm meinen Speer vom Rücken und tastete den gesamten Weg vor mir den von trübem Wasser verdeckten Grund ab um nicht noch in einen scharfen Stein zu treten. Morias Frage ob es hier Wassersleen gäbe versuchte ich zu ignorieren.

Als wir das Ufer erreichten und zwischen verfaulten Baumresten hindurch gingen umfing uns sofort das schwül-warme Klima das so typisch für das Voskdelta ist. Uns brach beiden sofort der Schweiß aus und wir konnten unzählige Tier und Insekten Stimmen, singen zwitschern, knacken, grunzen und zirpen hören. Vorsichtig arbeiteten wir uns vor und wurden als Bald auf mehrer Blutschlingpflanzen aufmerksam die ruhig und still da standen, zum Glück waren wir noch weit genug von ihnen entfernt.

Da machte mich Moira auf eine Hütte aufmerksam die einige Meter gerade aus geduckt zwischen den Bäumen stand. Wir entschieden das Moira sich das mal aus der Nähe ansehen sollte während ich ihr mit dem Bogen Deckung geben sollte.

Die Rancerhütte im Voskdelta
Da an unserer linken Flanke die Schlingpflanzen standen musste sie sich über einen flachen Erdbuckel vorarbeiten und erreichte die Hütte ohne Probleme. Die Hütte war aus krummen Stöcken gebaut zwischen welche zahlreiche Blätter der Rancepflanze geflochten waren und auch das Dach wurde aus den Ranceblättern gebildet.

Nach einiger Zeit winkte Moira mir. Es schien also alles ruhig zu sein. Ich schultere meinen Bogen und ging ebenfalls zur Hütte um mir das Innere anzusehen. Die Hütte selbst war fast leer, lediglich in einer Ecke lagen noch einige Fetzen verdreckten Rancepapiers.

Offenbar lebte hier ein Rancer, allerdings schien der Besitzer diese Unterkunft nicht häufig oder sogar gar nicht mehr zu benutzen. Da es sich nicht gleich um ein ganzes Dorf handelte konnten wir auch davon ausgehen es mit maximal zwei Gegnern zu tun zu bekommen, sollte dich jemand Anspruch auf die Hütte anmelden.

Wir merkten uns den Standort der Behausung um dort später unser Lager einzurichten. Um machten uns daran das umliegende Gelände zu erforschen. Hinter einem niedrigen Erdwall wurde der Boden deutlich trockener, staubiger und fester. Wir passierten einen Hochsitz und bemerkten schon Bald ein Haus zwischen den Bäumen und noch etwas weiter entfernt schimmerte auf einem Felsplateau die Mauer einer Stadt durch das Blätterdach des Waldes.

Wir versteckten uns hinter einem Baumstamm der so dick war dass vier von uns nicht gereicht hätten um ihn zu umfassen. Sollte das vor uns wirklich Turmus sein? Wenn es nicht Turmus war, welche Stadt sollte es sonst sein? Wenn es aber Turmus war, wo waren dann die Belagerer, nach unserem Wissen lebte Turmus seit Jahrhunderten unter Belagerung.

Die Pyrana verlassen ihr Schiff
Ich fertigte auf einem Fetzen des Rancepapiers eine ungefähre Lagezeichnung das Hochsitzes, des Hauses, der Stadt und des Rancerhauses an, dann kehrten wir zum Schiff zurück und berichteten den anderen Schwestern die bereits reisfertig alles zusammengepackt hatten und an Deck warteten.

Gemeinsam trugen wir unsere verbleibenden Vorräte durch den Sumpf zu der Rancerhütte und richteten uns dort ein. Heike fing alsbald an zu jammern da sie sich egarde erst zu Beginn der reise wunderschöne Stiefel aus Tabukleder geschneidert hatte die nach dem Bad im Morast nie wieder so sein würden wie früher. Wir alle mussten uns der Moskitos erwehren die über uns herfielen sobald man eine Ihn irgendwo still verharrte. Wir beschlossen uns mit Asche einzureiben, was zumindest in unserem heimatlichen Wald die das Viehzeug abschreckte.

Als alles eingerichtet war, beschlossen Moira und ich der En und den anderen Schwestern unsere zweite Entdeckung zu zeigen. Gemeinsam wanderten wir durch die Sumpflandschaft wobei mich doch tatsächlich eine dieser verfluchten Blutsaugepflanzen am Unterarm erwischte. Nat, Peri oder Nara würden sich da mal ansehen müssen. Zwar konnte ich den Arm noch einsetzen, er brannte aber wie Feuer.

Vor dem Haus entdeckten wir dieses Mal ein Frau die einige Verrs versorgte und dann hinein ging. Während einige Schwestern schon bereit waren das Bauernhaus zu erstürmen war Loo, unsere En eher abwartend. Nachdem wir einige Zeit das Gebäude beobachtete hatten, zogen wir uns in unsere Rancerhütte zurück.

Den Rest des Abends organisierten wir die Wachen und einen Beobachtungsposten bei dem Haus. Zunächst wollten wir die Einwohner von Turmus in ihren Sitten und Gebräuchen beobachten bevor wir mit ihnen in Kontakt treten würden. Einzige Schwierigkeit war nun dass wir nicht wussten ob es sich bei der Stadt wirklich um Turmus handelte, ob der Krieg in dessen Rahmen die Stadt belagert wurde noch tobte, wie wir in die Stadt gelangen sollten und wie wir dann das Geheimis der Stadt erforschen sollten.

Landgang der Sa me Pyrana
Als ich mich zur Ruhe legte, war ich aber zuversichtlich dass wir auf all diese Fragen eine Antwort finden würden. Nur eines lag mir noch am Herzen. Auch wenn wir uns von unserem Schiff sicher würden trennen müssen, ich hätte ihm gerne noch einen Namen. Wenn uns aus Jort’s Fähre also doch jemand folgte war er vorwiegend am Schiff interessiert, nicht aber an uns.

Wenn man das Schiff einfach fand und zurück brachte bestand eine Chance dass man gar nicht weiter nach uns suchen würde. Trotzdem hatte das Schiff uns den halben Vosk hinunter getragen ich fand, es hatte einen Namen verdient. Doch welchen Namen gab man einem Schiff? Die Schwestern hatten „Pyrana“ und „Pyrana Star“ vorgeschlagen. Beides Namen mit denen ich mich nicht anfreunden konnte. Hätte ich dem Schiff einen Namen geben müssen, ich hätte es vielleicht Katu genannt, nach unserer verschollenen Se.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…


Whow,

mit Hofknicks und Verbeugung,

sehr gut geschrieben.

Sulu Nurmi